Das Facebook-Imperium: Welcome to Zuckerberg‘s Social Club

Das Facebook-Imperium: Welcome to Zuckerberg‘s Social Club
9. Juni 2021

Nutzt ihr eigentlich noch Facebook? Zumindest indirekt sicherlich schon! Selbst ohne Mitglied in Zuckerbergs sozialem Netzwerk zu sein, nutzen die meisten von euch bestimmt WhatsApp und Instagram, die bekanntlich auch zum Facebook-Imperium gehören. Während die App immer weniger Nutzung erfährt, setzt Zuckerbergs Team in Kalifornien weiter auf den Ausbau des Unternehmens durch Ankauf neuer Technologien und Anwendungen. Ist das die Rettung des amerikanischen Konzerns? Wie kann er seine Spitzenposition im Markt auch zukünftig halten?

Drei Säulen des Imperiums

Was 2004 als Facebook von Mark Zuckerberg ins Leben gerufen wurde, gilt heute als eines der größten Social-Media-Unternehmen weltweit – um nicht zu sagen DAS größte. Doch nach unserem Gefühl ist die Plattform heute längst nicht mehr das, was sie noch vor einigen Jahren war. Stimmt das? Die Zahlen bezeugen anderes: Auch wenn Facebook gefühlt ein Nachwuchsproblem hat, steigen die weltweiten Nutzerzahlen weiter. In Europa war die Anzahl der Nutzer:innen im zweiten Quartal 2018 allerdings das erste Mal rückläufig, sprich der Zuwachs kommt von außerhalb Europas. Das Gefühl hat und also doch nicht komplett getrogen. Um trotzdem auch hierzulande Wachstum zu generieren, setzt der Konzern seit jeher auf eine strategische Diversifikation in Form von neuen Angeboten wie Instagram und WhatsApp. Instagram ist immerhin auch heute noch die Go-To-App Nummer Eins. Allein durch die (nicht mehr wirklich, we know) neuen Influencer Relations als etabliertes und extrem beliebtes Mittel im Marketing ist die Foto- und Video-Plattform für viele unverzichtbar. Natürlich kommen mit TikTok und Co. regelmäßig neue Konkurrenten ins „Social Game“, doch Instagram kann die Stellung bisher ganz gut halten. 2012 kaufte Facebook die Anwendung für schlappe 760 Millionen Euro auf – was damals total unverhältnismäßig viel erschien und von einigen Seiten belächelt wurde, ist nichts im Vergleich zum Preis von WhatsApp. Der allseits beliebte, wenn auch immer mal wieder und auch gerade in den letzten Wochen wegen des Datenschutzes in Kritik stehende Instant-Messenger-Dienst wird 2014 neben der Plattform Facebook, dem dazugehörigen Messenger und Instagram zum vierten Mitglied im Zuckerberg-Social-Club. Facebook kaufte WhatsApp für über 16 Milliarden Euro (das sind 3,2 Milliarden nicht gerade preiswerte Döner und etwa ein Zehntel des Vermögens von Amazon-Gründer Jeff Bezos, dem reichsten Menschen der Welt) auf, die bislang höchste Investition. Zum Vergleich: WhatsApp war damit 21-mal teurer als Instagram!

Credits: Unsplash / Solen Feyissa

Mehr als Social Media

Facebook versteht es seit jeher wie kaum ein anderes Unternehmen, seine Monopolstellung zu sichern und auszubauen. Zuckerberg’s Strategie? Konkurrenten Aufkaufen, USPs anderer Startups bzw. Unternehmen als Feature für eigene Services verwenden oder sogar integrieren, Zielgruppen erweitern und insgesamt ein so breites Angebot schaffen, dass irgendwie alle irgendwo Facebook-Nutzer:innen sind.

Neben den bereits genannten Akquisitionen baut Facebook sein Imperium kontinuierlich auch durch (noch!!!) etwas weniger bekannte Zukäufe aus. Dazu zählen Oculus seit 2014, Workplace seit 2016, Portal seit 2018 und Novi seit 2019. Oculus, Workplace, Portal, Novi – who dat?!

Oculus produziert und vertreibt Virtual-Reality-Zubehör, ist also kein soziales Netzwerk. Workplace ist eine kollaborative Business-Software für Teamarbeit und Workflows. Portal ist ein smartes Hardware-Gadget für Videokonferenzen, ähnlich wie Amazon Echo. Novi ist quasi ein digitales Portemonnaie für Krypto-Währung. Alles ziemlich unterschiedlich, alles ziemlich zukunftsorientiert und alles ziemlich digital. Facebook deckt mit seinen Club-Mitgliedern ein sehr weites Feld ab: Software, Hardware, Netzwerke, Video, Foto, Messaging, Business und Entertainment…

Credits: https://about.fb.com/de/company-info/

Facebook for future

Hinzu kommen außerdem die CTRL-labs, ein Start-up für Neuroschnittstellen, die Eingabebefehle zum Beispiel in der Facebook-App auf das Next Level treiben sollen sowie Beat Games, die Entwickler des bei VR-Fans bekannten Spiels Beat Saber. Zudem investiert das Unternehmen seit 2020 zusammen bzw. neben dem Google-Giganten in das indische Tech-Label Jio – mit etwa 4,5 Milliarden Euro die größte Investition nach WhatsApp, das muss schon etwas heißen… Jio ist ein Telekommunikationsunternehmen, das unter anderem ein eigenes Mobilfunknetzwerk betreibt. Was aus dieser Kooperation hervorgehen mag, bleibt spannend! Ein Update für WhatsApp? Facebook-Telefonie? Ähnlich ist auch die Investition ins indonesische Start-up Go-jek. Go-jek kann so ziemlich alles rund um On-Demand-Liederdienste und digitale Zahlung. Kein Wunder, dass sich auch PayPal an der Finanzierung des Startups beteiligt. Auch diese Aktion hört sich sehr vielversprechend und in die Zukunft gedacht an…

Credits: Unsplash / Minh Pham

Doch damit immer noch nicht genug. Wusstet ihr, dass seit 2020 sogar Giphy zum Facebook-Imperium gehört? Wir bei ZUCKER. lieben Gifs und Giphy, aber, dass die Gif-Suchmaschine auch dem Zuckerberg-Club beigetreten ist, wissen eher wenige.

Die neueste (uns bekannte) Errungenschaft ist der Customer-Relationship-Management-Service Kustomer zum Handling von Messenger-Anfragen im Facebook-Netzwerk Ende 2020. Mit Sicherheit wird das nicht die letzte Investition bleiben. Wir sind gespannt, wer dem Social Club als nächstes beitritt. Vom digitalen Kontaktbuch über Krypto-Portemonnaies und Virtual Reality bis hin zum eigenen Mobilfunknetz?! Spannend, faszinierend, beachtenswert, aber gleichzeitig auch irgendwie einschüchternd und in dieser Hinsicht fast schon beängstigend, über die riesige Macht von Facebook zu sinnieren. Neben eigenen Tochterunternehmen und der Finanzierung von Start-ups ist Facebook auch mit neuen Updates der bestehenden Apps und Anwendungen beschäftigt: Facebook News, Facebook Pay, Instagram Branded Content Places, Werbung bei WhatsApp (?!) und und und…

Der Einfluss, die Reichweite und die Größe sind so auffällig und einnehmend, dass es sogar in den USA – der Verkörperung von freier Markwirtschaft und Monopolisierungs-Chancen (Stichwort Google, Amazon, Apple) – Bestrebungen gibt, den Konzern zu zerschlagen, um die beherrschende Marktmacht einzudämmen. So hat jede Medaille ihre zwei Seiten: Was einerseits innovativ, fortschrittlich, zukunftsorientiert und vorausschauend ist und als dieses große Bewunderung erfahren darf, strebt andererseits nach stark monopolistischen Zielen und ist in dieser Hinsicht mit Vorsicht zu genießen. Aber wie auch immer man zum Facebook-Imperium stehen mag – an Zuckerberg’s Social Club kommt heute kaum jemand vorbei.

Ein Beitrag von Laura Dörling